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Der Sonne auf die Sprünge helfen

von Viessmann am ‎12-01-2015 11:51 (39.506 Ansichten)

original.jpgWenn man in diesen Tagen aus dem Fenster schaut können einem schon berechtigte Zweifel daran kommen, ob es sie denn überhaupt noch gibt, die Sonne. Ich kann alle beruhigen: Es gibt sie noch, keine Bange.

Mehr Sorgen müssen wir uns über die Tatsache machen, dass der Einbau von Solaranlagen zur Warmwasserbereitung und zur solaren Heizungsunterstützung in Deutschland auch 2014 wieder um mehr als 10% zurückgegangen ist. Für einige Anbieter von Kollektoren war die Lage so dramatisch, dass sie den Geschäftsbetrieb eingestellt haben. Und auch wenn sich die Situation für Viessmann etwas besser dargestellt hat: das Jahr 2014 hat weder für uns noch für die Branche die Erwartungen erfüllt.

 

Auch aus diesem Grund hat der Energieblogger Andreas Kühl die drei Marktführer im Bereich Solarthermie (Viessmann, Buderus und Vaillant) gebeten, zu 5 Thesen Stellung zu beziehen, die von einem weiteren Anbieter im Oktober 2014 veröffentlicht worden sind. Ich habe das gerne gemacht, weil mir eine Versachlichung der Diskussion zu den angefragten Themen sehr dringlich erschien.

Hier noch mal der Artikel von Andreas auf seinem Blog Energynet.de.

 

In den wesentlichen Punkten sind sich die Experten einig. Es ist nicht zielführend, an den grundsätzlichen Mechanismen der BAFA-Förderung etwas zu verkomplizieren. Ebenso wenig lässt sich ein Markt, der letztlich fast ausschließlich von aktuellen Energiepreisen abhängt, durch bessere Auslegungssoftware, erzwungenen Einbau von Wärmemengenzählern oder veränderte Angaben in Datenblättern beflügeln. Es sind generell keine Maßnahmen erfolgsversprechend, die den Kollektor als Einzelkomponente betrachten, weder technisch noch werblich. Die Zeiten sind lange vorbei.

 

Solarthermische Produkte haben in Zukunft nur dann eine Chance, wenn sie genau als das betrachtet und beworben werden, was sie sind. Eine der Möglichkeiten, ein Heizungssystem deutlich im Nutzungsgrad zu steigern. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Vor 20 Jahren hat sich die Brennwerttechnik am Markt etabliert und ist mittlerweile Standard. Wir als Anbieter von Heizungssystemen müssen mit der nächsten Stufe vorangehen, ich nenne das gerne: Brennwert 2.0. Das bedeutet, dass wir uns nicht mehr mit dem erreichten Stand zufrieden geben dürfen und alle Möglichkeiten der Effizienzsteigerung von Heizungsanlagen nutzen müssen. Bezogen auf den eingesetzten Brennstoff, egal welchen, heißt das: Nutzungsgrade von 130 Prozent oder höher sind technisch kein Problem und marktverfügbar. Das muss der neue Standard werden. Es gibt dafür mehrere Möglichkeiten, die Nutzung von Solarstrahlung ist davon die bekannteste und heute am weitesten verbreitete, aber eben nicht die einzige. Stromerzeugende Heizungen, Gas-Wärmepumpen, Hybridanlagen - diese Möglichkeiten sind das Umfeld, in denen sich Solaranlagen behaupten müssen und das meiner Einschätzung nach da, wo es projektbezogen passt,  auch tun werden.

 

Ich bin mal gespannt, wie die Diskussion weitergeht.

 

 

Über Andreas Kühl:


Andreas Kühl ist Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

 

Mit energynet.de betreibt er einen der bekanntesten und nach dem ebuzzing-Ranking auch einen der einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum.

 

Den Themen Energieeffizienz und energiesparendes Bauen gilt dabei sein besonderes Interesse, sowohl in privaten Haushalten als auch in der Industrie.

 

     Andreas Kuehl.jpg

 

 

 

Kommentare
von Kilian Rüfer
am ‎14-01-2015 8:55

Sehr geehrter Herr Kuhlmann,

 

mich freut jede Initiative, die der Photovoltaik unter die Arme greift. In dem Sektor ist unsere Kollegin Cornelia Daniel-Gruber eine gute Ansprechpartnerin bei uns Energiebloggern. Sie werden es sicher auch als zweischneidiges Schwert erleben, wenn ich Ihnen schreibe, dass ich eigentlich nur erneuerbare Wärme und auch die Senkung des Energiebedarfs für richtig halte. Jede neu eingebaute Brennwerttechnik verlängert die Abhängigkeit vom Erdgas / Öl und dessen Emissionen für die Lebensdauer der Heizungsanlage. Warum nicht gleich voll auf Erneuerbare setzen? Natürlich ist es auch eine einzelwirtschaftlich ökonomische Frage und auch dann, wenn es um den Anschaffungspreis geht. Also ist die Frage, wie sich der erneuerbare Wärmemarkt systematisch skalieren lässt, um dessen Kosten in die gleiche Liga wie die Brennwerttechnik zu schieben. Was halten Sie davon?

 

Mit freundlichen Grüßen

Kilian Rüfer

von Viessmann
am ‎15-01-2015 9:27

Hallo Killian,
danke für den Kommentar, einige kleine Anmerkungen dazu:

Auch ich finde es natürlich wünschenswert, den Einsatz von Brennstoffen - egal um welche es sich handelt - für die Gebäudebeheizung so schnell wie möglich zu reduzieren. Aus diesem Grund arbeiten wir beständig an der Erhöhung der Wirkungs- und Nutzungsgrade unserer Geräte und Heizsysteme.
Ich halte es allerdings nicht für wahrscheinlich, dass die Kosten für die dafür notwendigen Systeme in den Preisbereich eines Brennwertkessels gedrückt werden können. Viele Komponenten in solchen Systemen (Kollektoren, Wärmepumpen) werden bereits in einer Größenordnung produziert, in der kaum noch Skaleneffekte zu erwarten sind. Da ist also nicht mehr viel "drin". Bei allen Überlegungen zu diesem Thema gehe ich also nicht davon aus, dass wir auf einen solchen "break-even"  warten dürfen. Wir brauchen Maßnahmen, die Investitionen in eine vernünftige technische Lösung auslösen, auch wenn diese teurer ist als der "vergangene Standard".  

 

Viele Grüße
Carsten Kuhlmann

von Neuer Tagger energynet
am ‎15-01-2015 11:52

Hallo Herr Kuhlmann,

 

zumächst einmal vielen Dank für die schnelle Antwort auf meine Fragen,Erneue sowie die Erwiderung hier im Blog. 

 

Die Nutzung der Solarenergie, hat im Strom- und Wärmebereich die gleichen Probleme, hohe Anfangsinvetitionen bei geringen Betriebskosten und nicht dauerhafte Verfügbarkeit. Die Verfügbarkeit lässt sich durch entsprechende Speicher regeln, die bei geringerem Bedarf kleiner ausfallen können. 

 

Die Investitionskosten bei der Photovoltaik konnten schon erheblich reduziert werden und machen eine Eigenstromnutzung heute attraktiv. Bei der thermischen Solarenergie gibt es kaum noch Möglichkeiten für Preisreduzierungen. Daher müssen andere Wege gefunden werden, um diese attraktiver zu machen. Die gegenwärtige Förderpolitik scheint da nicht ausreichend zu sein bei der aktuellen Marktentwicklung. 

 

In welchen Projektarten sehen Sie die größten Potentiale für die thermischen Solarenergie, die heute noch zu wenig genutzt wird? Was müsste sich ändern, damit der Einbau von Solarkollektoren nicht mehr rückläufig ist?

 

Sonnige Grüße,

Andreas Kühl

von Jan Gesthuizen
am ‎15-01-2015 14:53

 Das Thema Förderung finde ich wirklich ganz spannend. Ich verstehe auch, dass man sagt die Förderung soll nicht komplizierter werden und man möge nichts ändern. Andererseits weiß man als Endkunde in Deutschland meist wirklich nicht was man da auf das Dach bekommt. Da noch was dran zu drehen hat sicher auch seinen Reiz.

Sicher ist denke ich in jedem Fall, das die Förderung nicht das einzige Problem ist, denn bei den anderen Wärmeerzeugern läuft es ja auch nicht gerade rund.

 

http://www.sonnewindwaerme.de/solarthermie/blog/foerderung-quadratmeter-noch-zeitgemaess

 

 

von Viessmann
am ‎16-01-2015 11:11

@ Andreas Kühl
Korrekt, die aktuelle Förderung muss wieder um den Bereich Solaranlagen zur Trinkwasserbereitung ergänzt werden. Die Abschaffung dieses Fördertatbestandes hat die Marktentwicklung negativ beeinflusst. Auch eine Förderung im Neubau wäre sinnvoll, wenn das Gebäude die Anforderung des EEWärmeG übertrifft.
Das größte Potenzial liegt nach wie vor in der verstärkten Kombination von Solaranlagen und Wärmeerzeugern in der Modernisierung. Das muss noch selbstverständlicher werden. Darüberhinaus gibt es noch einige brachliegende Marktsegmente (Geschosswohnungsbau, gewerbliche Anwendungen), deren Durchdringung ganz wesentlich von der Wirtschaftlichkeit der Anlagen abhängt. Wir haben es da teilweise mit Erwartungen an eine Amortisation zu tun, die nicht zu erfüllen sind. Hier sind keine großen Sprünge zu erwarten, solange die Energiepreise da bleiben, wo sie im Moment sind.

@Jan Gesthuizen
Nur eine Anmerkung: Ich glaube nicht, dass der Endkunde nicht weiß, was er auf sein Dach bekommt. Anders als bei konventionellen Wärmeerzeugern sind Kunden von regenerativen Wärmeerzeugern meiner Erfahrung nach vergleichsweise stark an der gewünschten Technik interessiert. In aller Regel sind diese Systeme in der Anschaffung teurer als "das Übliche", da schauen Kunden schon genauer hin und informieren sich entsprechend.

von Neuer Tagger energynet
am ‎20-01-2015 12:35

Mich interessiert da noch welche Bedeutung die solare Trinkwassererwärmung noch hat, wenn die Kombi PV mit Wärmepumpe für den Nutzer attraktiver ist, was mir hier im Forum bestätigt wurde (https://www.viessmann-community.com/t5/Service-Sie-fragen-Viessmann/Brauchwasser-Erw%C3%A4rmung-mit-... Warum sollten diese Anlagen dann noch gefördert werden?

 

Sollte man sich bei Solarthermie dann nicht mehr auf Großanlagen konzentrieren, für den Geschosswohnungsbau und für gewerblice Anwendungen? Was gibt es von Viessmann für Ideen und Ansätze, wie diese brachliegenden Segmente stärker erschlossen werden können?

von Viessmann
am ‎23-01-2015 16:26

Nein, wir setzen im Markt DE weiterhin auf Anlagen im Einfamilienhaus. Die Diskussion um die "Konkurrenzsituation" PV zu Solarthermie ist seit mehreren Jahren virulent und hat sowohl technisch als auch ökonomisch ihre Berechtigung. Solarthermie ist als regenerative Technik schon lange nicht mehr allein auf der Welt und muss sich folglich immer gegenüber alternativen Lösungen beweisen. Und gerade dann wäre es nicht nachvollziehbar, einerseits den Einsatz von PV auch zur Warmwasserbereitung zu fördern (was ja trotz aller Einschnitte im EEG noch geschieht) und das bei solarthermischen Lösungen nicht zu tun.   Wir sind aus diesem Grunde nach wie vor für eine Förderung über das MAP, wir wollen auch, dass sie auf kleine Trinkwasseranlagen ausgeweitet wird.
Das versteht sich nicht als alternativ zu Förderinstrumenten in den weiteren angesprochenen Segmenten Wohnungsbau und Gewerbe. Diese Bereiche leiden aktuell -nicht nur im Bereich Solarthermie - besonders unter den niedrigen Energiepreisen. Die wirklich sehr gute und meiner Meinung nach auch kaum zu verbessernde MAP-Förderung kann das offensichtlich nicht auffangen.  

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