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Hat die Erde überhaupt genügend Wärme für so viele Wärmepumpen?

von Viessmann ‎05-06-2014 17:38 - bearbeitet ‎05-06-2014 17:43 (15.438 Ansichten)

Vitocal 300-G.jpgDiese Frage wird sich sicherlich der Eine oder Andere bereits gestellt haben. Ich wurde am Montag erst wieder damit konfrontiert: „Ich möchte meinen Kessel nach 25 Jahren tauschen und würde mir gerne eine Erdwärmepumpe zulegen. Meine Nachbarn haben jedoch ebenfalls alle eine Wärmepumpe. Kann ich dann noch genügend Wärme aus dem Erdreich ziehen?“ So oder so ähnlich war die Frage. Zur Beruhigung, es ist genügend Energie für alle da! Sie sollten nur gewisse Abstände einhalten. Welche das sind und wie viel Energie ich aus den einzelnen Böden ziehen kann, finden Sie im Artikel.

 

Lediglich das Problem der gegenseitigen Beeinflussung der Sonden kann in einem solchen Fall auftreten. Sofern Sie aber einen Abstand von 5 Metern (bei 50m Bohrung) oder 6 Meter (bei 100m Bohrung) zwischen den einzelnen Sondenbohrungen einhalten können, sowie 2 Meter zu Gebäuden (Gebäudeschutz), dann werden sich die Sonden nur geringfügig beeinflussen und Ihre Wärmepumpe kann in einem ausreichenden Maß dem Untergrund Wärme entziehen. 

 

Die jeweiligen geologischen Landesämter oder geothermischen Fachbohrfirmen geben hier zuverlässige Informationen zur Auslegung am jeweiligen Standort. Wichtig: Die Auslegung sollte sowohl auf Ihre Hausanforderungen (Heizlast, Jahresheizenergiebedarf) als auch auf Ihre Untergrundverhältnisse (Gestein, Grundwasser) abgestimmt werden. Ziehen Sie hierzu auch Informationen aus benachbarten Anlagen in Ihre Planungen mit ein.


Welche spezifische Entzugsleistung pro Meter Sondenlänge in den einzelnen Bodenschichten möglich ist, zeige ich Ihnen hier:

 

  • Kies, Sand (trocken)                            < 20 W/m
  • Kies, Sand (wasserführend)              55-65 W/m
  • Ton, Lehm (feucht)                            30-40 W/m
  • Kalkstein (massiv)                             45-60 W/m
  • Sandstein                                          55-65 W/m
  • Saure Magmatite (z.B. Granit)          55-70 W/m
  • Basische Magmatite (z.B. Basalt)     35-55 W/m
  • Gneis                                                 60-70 W/m

 

PS: Die Abstände zu den Grundstücksgrenzen sind dem jeweiligen Bebauungsplan zu entnehmen, da die Sonden für ein Wärmepumpensystem als Bauwerk anzusehen sind.

Kommentare
von Helge
am ‎28-09-2014 11:38

Die Frage finde ich absurd. Da Grundstücke in der Regel nicht nur 5 Meter breit sind, sollte jeder seinen Wassererwärmer so versorgen können. Aber einmal angenommen das alle Hausbesitzer eine Luft Wasser Wärmepumpe besitzen würden, würde man der Klimaerwärmung nicht entgegen wirken?! :-)

Grüsse Helge

von Community Manager
am ‎02-10-2014 14:40

Hallo Helge,

 

ich habe deinen Kommentar gerade einmal mit einem Experten besprochen.

 

Erdwärme ist die in der Erdkruste gespeicherte Wärme. Die Erde besteht aus der Erdkruste, dem Erdmantel und dem Erdkern. Die Erdkruste hat eine Stärke zwischen 5 und 90 km. Darunter befinden sich Erdmantel und Erdkern. Im Erdkern herrschen Temperaturen bis zu 6.000 °C . Diese Temperatur gelangt durch Wärmeleitung an die Oberfläche und wird in das Weltall abgestrahlt. Auf der anderen Seite erhält die Erdkruste durch die Wärmestrahlung von der Sonne eine Energiezufuhr.Geothermie nutzt einen ganz kleinen Teil dieser Energie der Erdkruste. Es besteht keinerlei Gefahr das durch Nutzung von Wärmepumpen die Temperatur im Erdreich global soweit abgekühlt wird, das eine Beeinträchtigung nachweisbar ist. Trotzdem ist bei Errichtung einer Erdsondenanlage eine genaue Planung erforderlich, da die Bodenschichten unterschiedliche Wärmeleitfähigkeiten aufweisen. Die Planung ermittelt welche Erdwärmesondenlänge  und Anzahl notwendig sind um eine Wärmepumpe kontinuierlich während der Heizperiode mit  Erdenergie zu versorgen. Weiterführende Artikel zum Thema Erdkruste, Erdmantel und Erdkern findet man hierzu bei Wikipedia.

 

Ich hoffe, dies beantwortet deine Frage. :-)

 

Mit besten Grüßen

Sven

 

von Mitglied Robert
am ‎06-10-2014 17:36

Hallo Sven, die Wärme bei der oberflächennahen Erdwärmenutzung wird nicht nur von radioaktiven Zerfallsprozessen in der Erdkruste selbst, sondern (bei Flächenkollektoren ausschließlich) auch durch Sonnenenergie geliefert.

 

Interessanter ist da eher schon die Frage nach den Abstandsgrenzen zum Nachbar. Diese betragen in der Regel drei Meter. Nur in Hamburg hat man meines Wissens 5 Meter festgesetzt, sodass der Erdwärmetauscher letztlich dann 6 bzw. 10 Meter voneinander entfernt liegen. Trotzdem kommt es zu (vernachlässigbaren) Beeinflussungen zwischen den Sonden.

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