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Mit Sonnenstrom heizen und kühlen

von Viessmann am ‎05-03-2014 18:06 (7.432 Ansichten)

PV-Anlage und Wärmepumpe.jpgEine brandenburgische Familie plant für ihren etwa 100-Jahre alten Bauernhof ein neues Energiekonzept. Hierbei haben sie unsere Kollegen tatkräftig unterstützt. Sie haben dem Landwirt dabei geholfen, herauszufinden, mit welcher Technik er das Haus in Zukunft am besten beheizt. Da die Familie fünf Hektar Wald hat, dachten sie an eine Holzheizung. Alternativ könnte eine Wärmepumpe den Sonnenstrom der 28 kWp Photovoltaikanlage nutzen oder das Haus an die Gasleitung vor dem Gebäude angeschlossen werden. 

 

 

Ölheizung muss raus

 

Zuerst muss geprüft werden, wie das Haus beschaffen ist und welche Heiztechnik im Bestand ist. Im Keller wird bisher noch ein 17 Jahre alter Ölkessel betrieben um die 360 m² Wohnfläche zu beheizen. Dieser heizt aber mittlerweile zu ineffizient und vor allem, bei den steigenden Heizölpreisen, zu teuer. Nach Aussagen der Familie werden etwa 7.000 Liter Heizöl (oder 70.000 kWh) im Jahr verbrannt. Zudem braucht der alte Kessel mitsamt Öltanks viel Platz, der künftig zu Wohnraum umfunktioniert werden soll.

 

Dämmung unerwünscht

 

Um die historisch verzierte Fassade und das Schieferdach des Gehöftes erhalten zu können, kommt für den Hausbesitzer, neben der Dämmung der obersten Geschossdecke, nur die Erneuerung der Haustechnik in Betracht, um die Energiekosten nachhaltig verringern zu können.

 

Weiter besitzt die Familie bereits seit einigen Jahren eine 28 kWp Photovoltaikanlage und das Gebäude wird zudem zukünftig noch um einen Lehmofen erweitert. Gerade die genannte PV-Anlage würde sich ideal dafür eignen, um sie mit einer „intelligenten" Wärmepumpe zu vernetzen. Dies bedeutet genauer, dass eine Smart-Grid-fähige Wärmepumpe den erzeugten Strom der PV-Anlage in nutzbare Wärme umwandeln kann. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn gerade mehr Strom erzeugt wird als das Gebäude benötigt.

 

 

Wärmepumpe kombinierenVitocal 200-S.jpg

 

Zwar besitzt das alte Gebäude keine Fußbodenheizung, aber auch normale Heizkörper funktionieren mit einer Wärmepumpe, wenn die Vorlauftemperatur maximal 55°C beträgt. Gerade im Altbau wird so ein Heizsystem häufig mit einem bestehenden Öl- oder Gaskessel kombiniert. Die Wärmepumpe sollte dann etwa 90 bis 95 % der Wärme erzeugen, damit sie wirtschaftlich arbeitet. Nutzt die Wärmepumpe zudem nur den selbsterzeugten Solarstrom und läuft vorrangig zu Zeiten mit Sonnenschein, dann arbeitet die Anlage besonders effektiv.

 

 

Drei Systeme heizen

 

Eine Lösung für den historischen Bauernhof kann eine 13 kW Split-Wärmepumpe sein, die in der Übergangszeit immer zuerst und nur mit Solarstrom betrieben wird. Desweiteren könnte die Wärmepumpe in den warmen Sommermonaten das Gebäude kühlen. Während der Heizperiode würde dann ein 35 kW Scheitholzkessel die Grundlast abdecken und die Spitzenlast könnte durch einen 32 kW Brennwertkessel erzeugt werden, die nur dann benötigt wird, wenn mal kein Holz vorhanden ist. Um dennoch Platz zu sparen, sollen die Kessel zukünftig in einer anliegenden Scheune untergebracht werden.

 

 

Mehrere Optionen

 

Verglichen mit einem einzelnen Heizkessel ist das System komplexer in der Planung und aufwendiger  in der Installation. Allerdings berücksichtigt es in den nächsten 20 Jahren verschiedene Eventualitäten. Zum Beispiel milde Winter, die die Wärmepumpe gut nutzt. Oder schwankende Gaspreise, bei der die Familie mit mehr oder weniger Holz heizen kann. Wann und wie lange jedes System läuft, hängt von der Auslegung der Anlage und von der Wirtschaftlichkeit ab.

 

Große Baumaßnahmen sind in der Liegenschaft überflüssig, da die Heizkörper und Rohre im Haus weiterverwendet werden können. Lediglich den etwa 2.000 € teuren Gasanschluss müsste die Familie legen lassen. Unter dem neuen Hofpflaster liegen bereits Leerrohre, die weitere Kabel aufnehmen können, beispielsweise Versorgungsdrähte für die Wärmepumpe, für die noch ein passender Standort gesucht werden muss. Sie würde von den jährlichen 2.000 Volllast-Heizstunden in der Übergangszeit rund 950 Stunden übernehmen und dabei 3.500 kWh Sonnenstrom nutzen, was rund 1.400 Liter Heizöl entspricht. Mit der Brennwerttherme nutzt der Kessel die im Abgas enthaltene Wärme und damit 96 bis 99% der Energie im Brennstoff. Mancherorts muss dafür aber der Schornstein angepasst werden. Mit der Installation des 35 kW Scheitholzkessels kann sich die Familie Seeger zudem selbstständig jedes Jahr um ihren Brennstoff kümmern und ist damit relativ unabhängig von steigenden Energiepreisen.

 

Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) kann Familie Seeger unter bestimmten Voraussetzungen Fördermittel für die Wärmepumpe und den Biomassekessel beantragen. Zinsgünstige Kredite bekommt er über die KfW-Bank im Programm „Energieeffizient Sanieren".

 

 

Wenn Sie auch Interesse haben, sich Modernisierungskonzepte für Ihr Gebäude anzuschauen, dann schauen Sie doch mal in unseren Energie-Spar-Check

 

Kommentare
von Mahnke
am ‎11-03-2014 10:16

Warum nicht gleich eine Keks-Anlage?

von Viessmann
am ‎12-03-2014 10:57

Hallo Mahnke,

 

inwiefern meinen Sie Keks-Anlage? Haben Sie bereits Erfahrungen mit multivalenten "Keks"-Systemen gemacht? ;-D

 

 

Viele Grüße

Roman Gruß

von Sandra Henning
am ‎21-08-2019 10:49

Hallo, das ist ein tolles Projekt! Habt Ihr Lust es auf waermepumpe-regional.de vorzustellen? Dort findet ihr innovative Wärmepumpen-Lösungen aus ganz Deutschland. Mittlerweile mehr als 700. Wir würden uns sehr freuen!

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