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Welche Arten der Wohnraumlüftung gibt es?

von Viessmann am ‎18-09-2014 16:15 (35.676 Ansichten)

Vitovent 200-D_72dpi.jpgWir haben bereits im vergangen Jahr über das Thema kontrollierte Wohnraumlüftung geschrieben. Gerade im Hinblick auf die jüngste Novellierung der Energie-Einsparverordnung (EnEV) wird das Thema Lüftung einen immer größeren Stellenwert bekommen. Doch dieser Artikel soll weniger darauf abzielen, zu zeigen, welche Energieeinsparung möglich wäre oder ähnliches. Viel mehr möchte ich erst einmal grundlegend darüber aufklären, welche Lüftungssysteme überhaupt verwendet werden. Hierzu habe ich eine kleine Übersicht angefertigt.

 

Bei der sogenannten freien Lüftung dreht sich alles rund um das Thema Fenster öffnen. Früher hat es meist noch ausgereicht, wenn ab und zu mal das Fenster geöffnet wurde, denn durch Fugenlüftung, also durch Spalte, Ritzen etc. fand ein regelmäßiger Luftaustausch statt und auch die im Haus produzierte Feuchtigkeit wurde kontinuierlich aus dem Haus ausgetragen. Der Vorteil: Schimmelbildung innerhalb der Wohnung war nur selten der Fall. Der Nachteil: Eine hohe Luftaustauschrate bedeutet gerade auch in der Heizperiode, dass die neu einströmende Luft stetig nachgeheizt werden muss. Energieeffizient ist das sicherlich nicht!

 

Daher geht man heute eher dazu über, die Gebäude möglichst kompakt und dicht auszuführen, um den benötigten Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. Daraus resultiert jedoch, dass über Fugenlüftungen kein sinnvoller Luftwechsel mehr realisiert werden kann. Wer also nicht den ganzen Tag im eigenen Heim verweilt, um die Fenster regelmäßig zu öffnen, der kann mitunter Probleme mit Schimmelbildung bekommen. Maschinelle Lüftungssysteme heißt hier die Lösung. Mit Hilfe dieser ventilatorgesteuerten Lüftungssysteme kann nun ein behaglicher und vor allem kontinuierlicher Mindestluftwechsel sichergestellt werden, der sogar über einen Wärmetauscher bis zu 98 % der Wärmeenergie der Abluft wieder ins System einbringen kann.


Grundlegend kann bei der maschinellen Lüftung zwischen drei verschiedenen Varianten unterschieden werden. Die einfachste und wahrscheinlich bekannteste Variante ist oftmals auf Toiletten zu finden. Die Rede ist von den reinen Abluftsystemen. Hier wird lediglich die im Raum befindliche Luft bis zu einem gewissen Grad - meist eine Druckdifferenz von wenigen Pascal - abgesogen. Der Nachteil: Diese abgesogene Luft muss auch wieder durch andere Quellen nachströmen. Wir erinnern uns: Bei dichten modernen Gebäuden strömt aber quasi nichts nach! Daher scheidet diese Variante für moderne Gebäude nahezu aus. Der Gegenpart der Abluftsysteme bilden die Zuluft Systeme. Hier wird dann über Ventilatoren frische Luft in das Gebäude geleitet. Aber auch hier gilt ein ähnliches Problem: Ich kann zwar kontinuierlich Luft in das System befördern, jedoch ähnlich wie bei einem Luftballon gibt es auch im Haus gewisse Grenzen. Zudem fördert ein Überdruck im Gebäude nicht gerade der Behaglichkeit!

 

Die dritte Variante bildet eine Kombination aus den beiden erst genannten. Bei kontrollierten Zu- und Abluftanlagen wird der gesamte Luftaustausch über ein zentrales oder dezentrales Lüftungsgerät gewährleistet. Ein dezentrales Lüftungsgerät bzw. Einzelraumgerät wird direkt in der Außenwand des zu belüftenden Raumes installiert. Es belüftet einen einzelnen Raum und besitzt daher eine geringere Leistung als zum Beispiel ein zentrales Gerät. Durch die direkte Einbringung des Geräts in die Außenwand des Raumes kann auf Luftkanäle verzichtet werden. Zur Installation wird lediglich ein Durchbruch in der Außenwand benötigt. Daher eignen sich dezentrale Lüftungsgeräte besonders für Sanierungsprojekte. Einziges Manko dieser System: Innenliegende Räume können nur über Umwege belüftet werden.

 

Bei zentralen Lüftungsgeräten ist das Herzstück des Systems das Lüftungsgerät. Im inneren stellen Ventilatoren die notwendige Luftmenge bereit und führen diese über Filter in einen integrierten Kreuz-Gegenstrom-Wärmetauscher, der für die Einsparung von Heizenergie durch Wärmerückgewinnung bis zu 98% sorgt. Die Luftvolumenströme, die über den Kreuzgegenstrom-Wärmetauscher geführt werden, sind durch eine Vielzahl von Polymerschichten getrennt, sodass belastete Luft aus dem Gebäude abgeführt wird, frische Luft aber vorgewärmt, unbelastet und gesäubert in den Wohnraum gebracht wird. Hierzu werden vom Gerät zwei Luftleitungen für die Zufuhr von frischer Außenluft und Abfuhr von belasteter Raumluft über Wanddurchführungen nach außen gelegt. Im Gebäude werden noch zu allen be- oder entlüftenden Räumen getrennte Verteilsysteme gelegt, über die belastete Raumluft entzogen oder frische Luft nachströmen kann.

Kommentare
von Meli
am ‎28-10-2014 16:45

Ganz hilfreiche Infos zur Wohnraumlüftung. Danke für das wertvolle Aufbereiten der Informationen.

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